Barbiepuppen becircen junge Krieger»Circe und Odysseus« in der Komischen Oper
Aus NZ, 9.11.1993
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Hatte Arila Siegert mit der eindringlichen, bühnenwirksamen Inszenierung »Othello und Desdemona« einen künstlerischen Wurf gelandet, ging ihr Henzes »Undine« als Folgewerk weniger gut von der Hand.
Mit »Circe und Odysseus« begründete sie eine Siegert-Tradition im Haus an der Behrenstraße. Wieder stellt die Choreographin ein klassisches literarisches Liebespaar samt seinen Leidenschaften und Konflikten in den Mittelpunkt. Ihr Libretto fußt auf einer Episode der Homerischen »Odyssee«: den listenreichen Titelhelden verschlägt auf seiner langjährigen Heimreise nach dem Sieg in Troja ein Schiffbruch ans Gestade der Zauberin Circe. Wer ihrer Schönheit nicht standzuhalten vermag, den verwandelt sie in ein Schwein. Siegert wäre nicht jene hellwache Zeitgenossin, würde sie dem Stoff nicht brisante Aktualität abgewinnen. Das Eiland Circes steht bei ihr für ein Machtgefüge, das den Schiffbrüchigen übergestülpt wird, in das sie sich einzupassen genötigt sind. Der skrupellose Manager La Croix als zusätzliche Figur zieht alle Register seiner Verführungskünste, bis er die Gestrandeten, naiv und manipulierbar, für Circes Zauber reif gemacht hat.
Dazu bedient er sich der Inselnymphen, die er als seelenlose, willfährige Barbiepuppen ausstaffiert. Dieser Verlockung sind die irritierten, liebeshungrigen Krieger im Habit und Gebaren von Guerillakämpfern nicht gewachsen. Odysseus vermag La Croix’ Modenschau wenig zu beeindrucken er widersetzt sich jedwedem Diktat und gewinnt...
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