Im deutschen Theaterbetrieb geben zweifelsohne die großen Spielstätten den Ton an. München, Hamburg, Berlin. Und im erweiterten Kreis des Sprachraums nicht zu vergessen Wien und vielleicht noch Zürich. Diese Häuser verfügen über reichlich Kapazitäten. Wer da nicht mithalten kann, muss durch Innovation überzeugen – kein leichtes Unterfangen für die Off-Szene, die kreativ sein muss, ohne über die dafür nötigen Ressourcen zu verfügen. Dass sich die hehre Herausforderung trotzdem meistern lässt, zeigte just das Mannheimer Festival Wunder der Prärie.
Da die Diskussion über die Spaltung der Gesellschaft mehr und mehr die Politik bestimmt, fragen verschiedene Inszenierungen nach der Entstehung von Gruppendynamiken und sozialen Praktiken. Detailreich und präzise lotet Andreas Liebmann in seiner Ein-Mann-Show „Wir – ein Solo“ die psychologischen Prozesse um Kollektivierung und Individuierung aus, indem er vor den Augen der Zuschauer ein fiktives Ensemble dirigiert. Nicht sichtbare Akteure sollen mal ein Hund, mal eine Maschine sein, manche sollen nach vorne stürmen und ein lautes „Ja“ oder „Nein“ rufen. Sukzessive wird dabei deutlich: Jede Gemeinschaft braucht einen Widerpart. Die Ingroup setzt das Vorhandensein einer Outgroup voraus. „Immer an den Unterschieden arbeiten“, auch wenn diese bloß imaginiert sind, lautet das zwiespältige Credo von Liebmanns multipler Kunstfigur, die anschaulich gängige Ausgrenzungsmuster und deren...