Geschmeidig gleitende Tanzbilder»DIX« an der Staatsoper Unter den Linden
Aus MA, 4.10.1993
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Ein paar Buhs ließen sich im Schlußjubel um die Premiere der Lindenoper ausmachen. Roland Petit konnte erstmals verpflichtet werden und hat seiner Begeisterung für das grotesk schonungslose Œuvre eines Malers tänzerisch Form verliehen. »DIX« heißt lakonisch die knapp zweistündige Produktion, deren Unterzeile polarisierend »Eros und Tod« lautet. In zehn Szenen, die von Werken des bei Gera geborenen Otto Dix (1891–1969) inspiriert sind und großenteils deren Titel übernehmen, kommentiert und paraphrasiert der Franzose Bildthemen seines Thüringer Künstlerkollegen, den Neugier auf alles, was das Leben ausmacht, umgetrieben hat. Auch vor dem »stinkig Dreckigen«, wie es Krieg, Not, Prostitution hinterlassen, machte Dix in seiner Chronistenpflicht nicht halt. Erbaulich sind seine Zeichnungen und Gemälde kaum, wahrhaftig allemal.
Es ist nicht leicht, bildnerisch fixierte Situationen für die Bühne zu verlebendigen. Auch wenn der Choreograph seiner Phantasie Raum geben darf, bleibt die Unerbittlichkeit der Vorlagen Maßstab dessen, was die Theateradaption an Stimmungen wiedergeben muß. Bei allem Bemühen, etwa die Kostüme an den Dixschen Originalen zu orientieren, Bildsujets nachzuempfinden, die Musik der zwanziger Jahre als Komplizen zu gewinnen, den Zeitgeist jener lebensgierigen, lustbetonten Ära zwischen den zwei Weltbränden einzufangen Beklemmung, wie der Maler sie zu vermitteln weiß, will in der eleganten, mit leichter Hand gefügten Szenenfolge nicht...
















