Von Unvernunft in dieser Welt»Abraxas« im Leipziger Opernhaus
Aus TdZ 9/1989
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Zum zweitenmal binnen weniger Monate in unserem Land inszeniert: »Abraxas« (1948), Werner Egks erfolgreiches Ballett. Nach Joachim Ahnes Rostocker Lesart, ins Heute transponiert und von der Sorge um die Zukunft unseres Planeten diktiert, nun Enno Markwarts eher traditionelle Leipziger Fassung. Zwar wird das originale Libretto beibehalten, doch auch Markwart nutzt es, um Fragen an die Welt zu artikulieren, Angst vor dem Überflüssigwerden moralischer Werte Ausdruck zu verleihen. Noch obsiegen am Ende Zweifel ...
Gegen den düsteren Rundhorizont zeichnen sich auf einem Podest die Galgen dreier Gehängter ab – Gewalt hat sich manifestiert. Der alte Faust, zutiefst desillusioniert, schleppt einen weiteren Toten in seine Wohnruine, will schwarzer Magie als Ausweg Antworten auf seine Fragen entlocken. Diese bietet ihm Bellastriga, Tiger und Schlange im Punk-Look. Ihr erstes Angebot: Teilhaben an der Macht. Um das spanische Herrscherpaar und sein Gefolge zieht ein endloser Zug Gefesselter seinen Kreis – die Macht und ihr Preis. Androgyne Wesen sollen den Hof ablenken. Angewidert flieht Faust das Gerangel um den Thron. – Zweites Angebot: Vergessen durch Sinnenrausch. Das Pandämonium als eine Art Kellerdisko mit Bordell-Atmosphäre; durch eine hypertrophierte Vagina fährt man Satanas herbei. Um ihn formiert sich die lüsterne Meute gegen den Fremdling Faust,...
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