Requisitenspektakel über Krieg. Volksbühne Berlin: »Ernst Jünger«
Aus TdZ 3/1995
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Wut und Hohn treiben diese martialische Persiflage auf selbstherrlich-eitle Heldentumsucht, die über Leichen geht. Der fast hundertjährige, umstrittene deutsche Dichter Ernst Jünger wird in Johann Kresniks Choreographischem Theater zur Inkarnation blutiger Kriegslust und deutsch-nationalistischer Charakterfestigkeit. Aber die Wut überträgt sich nicht auf die Zuschauer, die bestenfalls amüsiert den bissigen Spötteleien mit einem gewaltigen Aufgebot an Requisiten zusehen.
Am Schluß des Stücks zerrt Christian Schwaan, in mehreren Szenen das Opfer (dem, weil er Soldaten Mörder schimpft, der Kopf zerquetscht und vom Titelhelden nach intimer Liebesbeglückung die Kehle durchschnitten wird), polternd eine rohe Holzkiste auf die Szene und packt den – wie es scheint toten – Ernst Jünger hinein. Eine Gala-Gesellschaft in schwarzer Abendrobe trägt den Sarg weihevoll. Doch der Dichter-Held steht, nackt und schadenfroh, wieder da. Der Geist ist fruchtbar noch, aus dem das quoll.
Diese Schlußsequenz scheint zu erklären, was zu »Ernst Jünger« bewog. Weniger die Person, als deren Ideen, die wieder verhängnisvoll zum Tragen kommen.
Der Aufwand dafür ist immens. Sein Szenarist Hans Haacke, wie Jünger Preisträger der Biennale Venedig 1993, öffnet die Bühne zum Innenraum eines Wehrmachtoffizierskopfes. Magnetisch-metallischer Rundhorizont, an den der Naturkundler Jünger seine Käfersammlung pinnt. Darin kracht, kreischt, blutet es. Hunderte Alugeschirre, Schüsseln, Löffel werden von...
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