Tanzkreuz des Südens
Aus TdZ 6/1995
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Auch für Thüringens Ballettensembles steht die Zeit nicht still. Wo noch bis vor wenigen Jahren die Kompaßnadel nur zwischen »Coppelia« und »Sacre du Printemps«, »Scheherazade« und »Bolero« pendeln konnte, profilieren sich nun internationalisierte Kompanien. Junge Leiter streben nach der eigenen künstlerischen Handschrift.
Deutsches Nationaltheater Weimar
Prominentester Neuzugang nicht nur für das Land Thüringen dürfte Joachim Schlömer sein, Absolvent der Folkwangschule Essen, 33 Jahre alt. Der aus der Ausdruckstanzära herüberragende Hans Züllig, die Bausch-Interpretin Malou Airodou und der Franzose Jean Cébron waren seine Lehrer. Seit 1984 choreographiert Schlömer, kann auf ein mehr als 20 Positionen umfassendes Werkverzeichnis verweisen. Selbst Michail Baryschnikow gehört zu seinen Auftraggebern. Bevor Schlömer 1991 als Ballettdirektor ans Ulmer Theater ging, hatte er mit dem Wuppertaler Tanztheater und der Monnaie Dance Group Mark Morris getanzt. Nach der Auflösung des traditionell orientierten WeimarerBalletts um Udo Wandtke wechselte Schlömer von Ulm, wo auch seiner Gruppe Auflösung drohte, mit neun der ehemals 14 Tänzer ans Theater der Klassikermetropole.
Mit Feuereifer werfen er und seine 14 Tänzer sich mit so klugem wie ehrgeizigem Konzept in die Arbeit. Jedes Stück soll seine unverwechselbare Bewegungssprache haben, in Gestik und Symbolik, Rhythmik und Bilderfindung, Tiefe und Gewicht der Bewegung....
.jpeg&w=3840&q=75)















