Gera: 6. Ballett-Tage
Aus TdZ 7/1982
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Boris Blachers »Mohr vonVenedig« zeigte Choreographin Inge Berg-Peters in eigener Lesart. Die Geschichte ereignet sich nicht mehr retrospektiv, sondern chronologisch und kulminiert erst im 8. Bild.
Grundgedanke der Stückinterpretation: Othello als Opfer des gesellschaftlichen Rassenvorurteils. Diese aktualisierende Deutung wird anhand von Zitaten aus dem Shakespeare-Stück belegt, wirkt aber etwas aufgesetzt und simplifizierend, zieht man die vielfältigen Motive der handelnden Personen in Betracht. Dessen ungeachtet legt Inge Berg-Peters mit dem »Mohren« ihre bisher reifste Arbeit vor. Sie erzählt die Fabel klar und überschaubar, setzt sparsame, wirkungsvolle Akzente und behält den logischen Zusammenhalt im Auge. Choreographisch gelangen interessante Studien emotional ausgeformter, deutlich voneinander unterscheidbarer Charaktere (Jago, Othello, Cassio, Rodrigo) und reich strukturierte Ensembles von großer Bildkraft, die in der Sinnfälligkeit und Notwendigkeit der plastischen Gruppierungen genremalerische Dichte erreicht. Neben Szenen von geistiger Abstraktion finden sich solche von zupackender erotischer Direktheit. Erfreulich, mit wie viel tänzerischem Atem und raumfüllender Weite die Soli und Pas de deux angelegt sind; in welchem Maß die Choreographin zu einer eigenen Formensprache gefunden hat; wie innerhalb der Bilder mit choreographischen Mitteln dramatische Steigerungen und Zuspitzungen erreicht werden.
Fachschule für Tanz Leipzig
Im Gegensatz zur Berliner und Dresdner Schule bildet die Leipziger nur im...
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