Greifswald: »Der Teufel im Dorf«
Aus TdZ 8/1980
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Wenn in einem Theater nach zwanzig Jahren endlich wieder ein abendfüllendes Ballett gezeigt werden kann, ist das ein Ereignis. Daß dabei, wie im Falle Greifswalds, eine sehenswerte Aufführung zustande kam, und dies mit einem geradezu erschreckend kleinen Ensemble (5 Damen, 2 Herren, verstärkt durch 3 weibliche und
3 männliche Praktikanten der Berliner Ballettschule sowie ein vierzehnköpfiges, relativ leistungsfähiges Laien-Tanzstudio), stimmt zuversichtlich. Wohl hatten Margit Nicolaus und Frank Männel auch in der Wahl des Stückes eine glückliche Hand: Bis auf einige entbehrliche Figuren konnte das Originallibretto mit seiner gegenständlich dichten Fabel beibehalten werden. Zudem bietet Fran Lhotkas spannungsvolle, nuancenreiche Musik, deren Ausdrucksskala vom Böhmisch-Gemütlichen über Unheilschwangeres bis hin zu fulminanten dynamischen Höhepunkten reicht, genügend Inspiration für eine choreographisch-tänzerische Umsetzung.
Wie die folkloristisch getönte Musik versucht die Choreographie, mittels folkloristischer Elemente kroatisches Dorfleben einzufangen. Das gelingt in mehreren Szenen einfach und spielerisch leicht, beispielsweise zu Beginn des Jahrmarktes – ein schönes, tänzerisch farbiges Bild. Interessant die Gaukeleien vor der Teufelsschenke in ihrer szenischen Realisierung: zeitlupenartige Posenspielereien einer verknäuelten Gruppe Halbnackter auf einem Podest in rotem Licht hinter einem Vorhang. Weshalb die Brautwerbung trotz guter Einfälle fast zur Groteske wird, bleibt unklar. Allgemein wird die Gruppe geschickt und effektvoll arrangiert, schön die...
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