Brandenburg : »Viktorka«/»Komödiantensuite«
Aus TdZ 12/1980
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Das einzige Theater des Bezirkes Potsdam mit eigenem Ballettensemble (10 Damen, davon eine Solistin; 4 Herren) hatte seine 80er Tanzpremiere: zwei Einakter, von tragischem Ernst der eine, komödiantisch heiter der andere.
»Viktorka« zur Musik von Zbynĕk Vostřák ist die Leidensgeschichte eines unverdorbenen Waldmädchens mit tödlichem Ausgang, angesiedelt zwischen Gretchen und Giselle, ausgewiesen als »Tanzballade«. Leider findet František Sladeček nicht durchgängig zu einer balladenhaft erzählenden Choreographie. So wird Viktorkas Fußverletzung nicht recht ersichtlich, weshalb es eher wie freche Zudringlichkeit wirkt, wenn der schwarze Jäger gleich beim Kennenlernen ihren Fuß durch Streicheln zu heilen versucht. Beider Pas de deux bleibt unausgeformte, konventionelle Hebeakrobatik, die kaum Platz für gestalterische Aktivität läßt, zumal der Jäger schier nichts zu tanzen hat. Daß Viktorkas Kind laut Programmheft »durch ungenügende Pflege verhungert«, dürfte choreographisch schwer zu zeigen sein und wird demzufolge nicht deutlich. Der Nymphenreigen enthält schöne Details, gerät jedoch zu einem »Formengerammel« und daher langatmig, blutleer, wenig spielerisch. Viktorkas furioses Solo ist choreographisch und gestalterisch die beste Leistung. Optimistisch und optisch sehr gelungen der Schluß: Sonnenstrahlen überziehen das vom Blitz erschlagene Mädchen. Angelina Straube in der Titelrolle bringt ihre tänzerischen und gestalterischen Fähigkeiten engagiert zur Geltung.
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