So richtig will es nicht gelingen, die Dystopien des Thomas Köck auf der Bühne zu entschlüsseln. Der junge österreichische Dramatiker, 1986 in Wolfern nahe Steyr geboren, hält dem Theaterbetrieb prall gefüllte und formal distinguierte Texte entgegen, die mehrfach ausgezeichnet wurden und für die in der aktuellen Spielzeit eine beachtliche Premierendichte ansteht, darunter auch eine Uraufführung. Diese wird Köck, der als Praktiker und theatercombinat-geschulter Performer oft genaue Vorstellungen von der Realisierung seiner Werke hat, nun erstmals selbst inszenieren: „Die Zukunft reicht uns nicht (Klagt, Kinder, klagt!)“, ab 9. November am Schauspielhaus Wien.
Die Zukunft reichte schon früher nicht. Am allerwenigsten in Köcks bei Suhrkamp verlegter Klimatrilogie, deren erster Teil „paradies fluten (verirrte sinfonie)“ 2016 bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen uraufgeführt wurde. Nun ist auch das Burgtheater auf den Geschmack gekommen und präsentiert die österreichische Erstaufführung im Akademietheater. Mit wenig Fortune, auch wenn zu spüren ist, dass das Theater sich mit Händen und Füßen dafür einsetzt, dem von mehreren Erzählsträngen geflochtenen Texten auf der Spur zu bleiben.
In „paradies fluten“ rekapituliert eine lose Schar von letzten Überlebenden (oder reden sie bereits post mortem?) die kapitalistische Expansion des 20. Jahrhunderts und ihre Folgen: die Globalisierung, den brutalen Warenverkehr mit Rohstoff- und Menschenausbeutung, den deregulierten...