Die Kampfeslust des Mars, die Lüsternheit der Venus. Tanztheater im Potsdamer Neuen Palais
Aus MA, 6.6.1995
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Für die vierte Folge der »Höfischen Impressionen« im Potsdamer Neuen Palais griff Manfred Schnelle, Spezialist für historischen Tanz und Ausdruckstanz, auf ein Libretto- und Notenmaterial in der Sächsischen Landesbibliothek zurück. Es dokumentiert eine Aufführung vom 3. Februar 1678 auf dem »Großen Theater Ihrer Kurfürstlichen Durchlaucht zu Dresden«.
Gegeben wurde das Ballett »Von der Zusammenkunft und Wirkung derer Sieben Planeten«, als »Planetenballett« in die lokale Tanzgeschichte eingegangen. Teile daraus vereinten in bearbeiteter Form als »Königliche Spiele und Tänze« die »Höfischen Impressionen IV«.
Die nach damaliger Mode kurzen Musikteile mußten auf Tanzlänge nach heutigem Verständnis gebracht werden; aus den Gesangstexten entstand nachempfindend die Sprechvorlage für einen Schauspieler, der die astrologischen Charaktere der Planeten porträtiert. Die Choreographie, im Original nicht überliefert, orientiert sich an Aufzeichnungen und Abbildungen aus jener Zeit. Musiziert wird auf empfindlichen historischen Instrumenten Violine, Viola, Cello, Cembalo. Ein kubistischer Prospekt sowie die Kostüme weisen in die Gegenwart und den freien Umgang mit dem tradierten Material.
Mit barocken Tanzreminiszenzen in höfischem Habit schaffen die vier Darsteller den Rahmen eines Festes, ehe sie in rollengemäß stilisierte Kostüme schlüpfen. In Kardinalsrot und mit Allongeperücke stellt der Zeremonienmeister witzig das jeweilige Gestirn vor. Merkur und Saturn, Jupiter und Mars, Sonne, Venus und Luna-Diana...
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