Magdeburg: »Othello« en miniature
Aus TdZ 2/1989
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Seit einem knappen Jahrzehnt fristet das Ballett des Magdeburger Theaters ein kärgliches Dasein. Eine glücklose Ballettmeister-Ära folgte der anderen; allesamt waren sie zu kurz, um aufbauend zu wirken. Daß sich das Ensemble mehrmals zerrieb, auflöste, neuformierte, ist bekannt; wie viele Tänzerträume in diesem Stafettenlauf der Leiter und Leitungen zerrannen, läßt sich nur ahnen. Einziges Plus: relativ regelmäßig kamen in diesem Jahrzehnt Ballettabende zustande, wenngleich häufig von unzureichender Qualität. Von den 18 verfügbaren Planstellen, für ein Bezirkstheater zu gering, sind derzeit acht mit Damen und fünf mit Herren besetzt. Die Posten des Ballettmeisters und/oder Choreographen stehen verwaist und dürften das auch bleiben. Zusammenarbeit auf bezirklicher Ebene scheint der einzige Ausweg – ihn ging der Magdeburger Intendant. Er bat Christel Schröder, Halberstadts langjährige Ballettchefin und Choreographin, um Übernahme ihrer – geringfügig veränderten – jüngsten Inszenierung mitsamt einigen Tänzern. So kam »Othello«, bereits 1962 in Magdeburg aufgeführt, ein weiteres Mal in die Stadt des Schwermaschinenbaus.
Nach Arila Siegerts produktiver Lesart »Othello und Desdemona« ist dies, zu anderer Musik, das zweite abendfüllende Ballettwerk um jenes so ungleiche Liebespaar, läßt man Blachers »Mohr von Venedig« und Limóns Meisterwerk »The Moor’s Pavane« als Einakter außer Betracht. Schröder griff für ihre Produktion auf eine vielgespielte, 1959...
















