Meldung (Das Wichtigste vom Tag)
Montag, 19. Oktober 2026
Nestroy-Nominierungen bekannt gegeben ++ Autor und Dramaturg Mehdi Moradpour gestorben ++ Maria Happel verlängert Vertrag bei den Festspielen bis 2030 ++ GDBA protestiert gegen massenhafte Nichtverlängerungen ++ Volksbühnenpreis für Theaterliteratur zum zweiten Mal ausgeschrieben ++ Junges Theater erhält Springmann-Förderpreis 2026
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Wien: Nestroy-Nominierungen bekannt gegeben
Die Nominierungen für den diesjährigen Nestroy – Der Wiener Theaterpreis stehen fest. In 14 Kategorien sind 53 Nominierungen veröffentlicht worden. Hinzu kommt eine bereits fixierte Preisträgerin: Sunnyi Melles wird für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 22. November im Volkstheater statt.
Mehrfach nominiert ist unter anderem die Uraufführung „Caché“ nach dem Film von Michael Haneke am Volkstheater: Sebastian Rudolph und Johanna Wokalek sind in der Kategorie Bestes Schauspiel nominiert, Felicitas Brucker für die Beste Regie. Elfriede Jelinek steht mit „Unter Tieren“, einer Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Burgtheater, in der Kategorie Bestes Stück auf der Liste. Die Inszenierung von Nicolas Stemann ist zudem für den Ensemblepreis nominiert. Valery Tscheplanowa ist für ihre Rolle als Mephistopheles in „Faust I“ nominiert, Ulrich Rasche, Gerrit Jurda und Florian Seufert für die Beste Ausstattung derselben Produktion.
Über die Preisträger:innen entscheidet eine Jury aus sieben Kritiker:innen unter dem Vorsitz von Alexandra Althoff.
Wien: Autor und Dramaturg Mehdi Moradpour gestorben
Der Autor und Dramaturg Mehdi Moradpour ist tot: Wie das Schauspielhaus Wien gemeinsam mit DRAMA FORUM Graz und den WIENER WORTSTAETTEN mitteilt, starb er am 16. Oktober 2026 im Alter von 47 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in Hamburg. Moradpour wurde 1979 in Teheran geboren, studierte zunächst Physik und Industrietechnik im Iran, später Hispanistik, Amerikanistik und Arabistik in Leipzig und Havanna. Er arbeitete als Gerichts- und Community-Dolmetscher sowie als Übersetzer für Farsi und Spanisch.
2014 wurde er in den Lehrgang „Forum Text“ des DRAMA FORUM von uniT Graz aufgenommen, 2016 erhielt er den exil-Dramatiker:innenpreis der WIENER WORTSTAETTEN. 2018 wurde sein Stück „ein körper für jetzt und heute“, entstanden im Arbeitsatelier von DRAMA FORUM, am Schauspielhaus Wien uraufgeführt. Am 17. Oktober 2025 folgte dort die Uraufführung von „Die Verhandlung der Träume“ in der Inszenierung von Marie Bues, mit der das Schauspielhaus die vergangene Saison eröffnete.
Die Trauernden würdigen Moradpour als wachen politischen Denker und genauen Beobachter gesellschaftlicher Verhältnisse, der den Geschichten und Erfahrungen anderer Menschen eine Sprache gab.
Reichenau an der Rax: Maria Happel verlängert Vertrag bei den Festspielen bis 2030
Maria Happel, künstlerische Leiterin der Festspiele Reichenau, verlängert ihren Vertrag bis 2030, wie die Festspiele mitteilen. Die Schauspielerin und Regisseurin prägt das Festival seit 2022. Unter ihrer Leitung wurde demnach das Profil geschärft und zugleich eine Öffnung für neue Stoffe, Formate und Publikumsschichten ermöglicht. Die diesjährige Jubiläumssaison „100 Jahre Theater Reichenau“ gehörte zu den erfolgreichsten Spielzeiten der Geschichte.
Zudem gibt es zwei Nestroy-Nominierungen: „Krieg und Frieden“ nach Leo Tolstoi in der Regie von Philipp Hauß ist als Beste Bundesländer-Aufführung nominiert, Tim Werths in der Kategorie Bestes Schauspiel für seine Rolle als Fürst Andrej Bolkonski. Zur Vertragsverlängerung sagt Happel: „Wo sich Literatur mit Landschaft harmonisch verbindet, entsteht ein Ort für Kunst!“ Die Festspiele Reichenau 2027 finden von 30. Juni bis 1. August 2027 statt.
Düsseldorf: GDBA protestiert gegen massenhafte Nichtverlängerungen
Vor Beginn der Vorstellung von „La Traviata“ an der Deutschen Oper am Rhein kommt es am Sonntag, 18. Oktober, zu einer Streikkundgebung, wie die Bühnengewerkschaft GDBA mitteilt. Der Lokalverband wendet sich mit einer Ansprache an das Publikum. Hintergrund ist der drohende Kahlschlag durch die neue Intendantin Ina Karr: Ein großer Teil des Ensembles soll zum Ende dieser Spielzeit entlassen werden. Eine Woche zuvor hatten am Theater Münster die Beschäftigten für 15 Minuten die Arbeit niedergelegt. Dort richtete sich der Protest gegen die geplanten weitreichenden Nichtverlängerungen durch den designierten Intendanten Neil Barry Moss.
Raphael Westermeier, geschäftsführender Präsident der GDBA, sagt: „Dass die Künstler*innen sich jetzt lautstark wehren, ist ein wichtiges Signal in die Branche.“ BFFS (Bundesverband Schauspiel) und GDBA haben den Tarifvertrag NV Bühne gekündigt, um in der laufenden Verhandlungsrunde die Regelungen zur Nichtverlängerung zu reformieren. Gefordert werden unter anderem Quoten, nachvollziehbare künstlerische Begründungen, Abfindungen bei allen Nichtverlängerungen sowie keine massenhaften Nichtverlängerungen bei Intendanzwechseln.
Köln: Volksbühnenpreis für Theaterliteratur zum zweiten Mal ausgeschrieben
Der Bund Deutscher Volksbühnen (BDV) schreibt zum zweiten Mal den „Volksbühnenpreis für Theaterliteratur“ für Nachwuchsautor:innen im deutschsprachigen Raum aus, wie der BDV mitteilt. Die Auszeichnung richtet sich vor allem an Studierende der Literaturinstitute, Schreibstudiengänge und Fördereinrichtungen für Dramatiker:innen sowie an Bewerber:innen am Anfang ihrer Autorenlaufbahn. Sie umfasst ein Preisgeld von € 5.000, die Preisverleihung im Rahmen der Ruhrfestspiele Recklinghausen 2027, einen dotierten Werkvertrag zur Umsetzung des Stücks sowie die Uraufführung am Schauspielhaus Düsseldorf in der Spielzeit 2027/2028. Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2026.
In der Tradition der Volksbühnenbewegung sollen sich die Bühnentexte sozialkritisch mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzen, etwa mit Partizipation/Teilhabe, Zensur/Meinungs- oder Pressefreiheit, Individuum/Masse, Umweltschutz/Wohlstand oder sozialer Ungleichheit. Eine unabhängige Jury entscheidet Anfang 2027. Ihr gehören ein:e Regisseur:in, je ein:e Dramaturg:in der Ruhrfestspiele Recklinghausen und des Schauspielhaus Düsseldorf, ein Vorstandsmitglied des BDV sowie ein:e Vertreter:in des Suhrkamp Theater Verlags an.
Der Preis wird alle drei Jahre vergeben. Die erste Auszeichnung ging 2025 an Sunan Gu für „Maus, Geld, Gespenst“, das am 7. Mai 2026 im Grillo-Theater Essen in der Regie von Ruth Mensah Premiere feierte. Bewerbungen mit digitalem Text und Kurzbiografie gehen an vorstand@bund-deutscher-volksbuehnen.de.
Wuppertal: Junges Theater erhält Springmann-Förderpreis 2026
Der Spielclub „Junges Theater Wuppertal“ am Schauspiel Wuppertal erhält den „Enno und Christa Springmann-Förderpreis 2026“, wie das Haus mitteilt. Die Auszeichnung ist mit € 7500 dotiert und wurde am 11. Oktober in der Historischen Stadthalle übergeben. Die Stiftung würdigt die Arbeit des Ensembles, insbesondere die jüngsten Produktionen „Der einzige Mann am Himmel bin ich“ (2024) und „Toto“ (2025).
Das Junge Theater besteht seit bald zehn Jahren unter dem Dach des Schauspiels. Dem Ensemble gehören bis zu 14 Menschen zwischen 16 und 24 Jahren an. Sie erarbeiten pro Spielzeit eine professionelle Inszenierung und entwickeln ihre Stücke inzwischen häufig selbst. Ko-Gründerin und Leiterin ist die Regisseurin Barbara Büchmann. Gegründet wurde der Spielclub außerdem von Alexander Peiler und Thomas Braus, der das Projekt seit Beginn seiner Intendanz unterstützt.
Die nächste Premiere, „Don Quijote“, ist für den 18. Dezember im Theater am Engelsgarten geplant.
Redaktionsschluss: 15:29 Uhr
Erschienen am 19.10.2026




























