Neustrelitz: »Die Liebenden von Verona«
Aus TdZ 2/1984
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Erstmals seit 1969 steht Leo Spies’ Romeo-und-Julia-Ballett »Die Liebenden von Verona« wieder auf dem Spielplan eines kleinen Theaters. Das Neustrelitzer Ensemble (acht Damen, zwei Herren) mußte in seiner Aufführung Kollegen anderer Sparten und Laien einbeziehen, um alle Rollen besetzen zu können und auch größere Szenen möglich zu machen. Das reduzierte den Tanz mehrfach auf Pantomime. Aus personellen Gründen wurde anstelle des vorgegebenen Maskenverkäufers eine Wahrsagerin eingeführt. Sie durchzieht leitfadenartig das Stück und hat die Funktion einer Vertrauten Julias. Die Partitur wird in der ungekürzten anderthalbstündigen Fassung gespielt.
Eugen Kurtzweg, seit dieser Spielzeit Ballettmeister in Neustrelitz, erzählt die Geschichte klar und unmißverständlich. Die Choreographie wirkt, auch von der Regie her, in sich geschlossener als die zu seinem Eisenacher »Schneewittchen«, wenngleich Dramatik und Gehalt der Musik in den Szenen mit den Laien weitgehend ungenutzt bleiben. Dennoch gelingen mit einfachen Mitteln abwechslungsreiche und bewegte Bilder. Die Damen sind lange nicht mehr mit Spitze gefordert worden. Als Höhepunkt des Abends behielt ich den Pas de trois Romeo-Julia-Paris im Gedächtnis: In Führungen, Wicklern und Hebungen umwerben die beiden Männer, einander belauernd, zunehmend intensiver das sanfte Mädchen; die Spannung überträgt sich auf den Zuschauer und bereitet den Konflikt vor. Choreographisch ebenso...
















