Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin: »Der Dreispitz«/»Der Feuervogel«
Aus TdZ 7/1978
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Vom Feuervogel-Märchen blieb nur der ideelle Kern erhalten. Die im Programmheft wiedergegebenen konzeptionellen Gedanken verweisen auf den eigenen Weg, den Lothar Hanff und Eva Reinthaller für ihre Erarbeitung von Strawinskys »Feuervogel« beschritten, angeregt von der Version Maurice Béjarts.
Aus dem Feuervogel, dem schillernden, zwiespältigen Märchenwesen, wird die personifizierte Idee der Revolution. Der Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen, abstrakt demonstriert, ist auf die Ebene eines gesellschaftlichen Prozesses gehoben. Die Kostüme mit ihren Khaki-Blusons erinnern an gegenwärtige revolutionäre Auseinandersetzungen beispielsweise in Südamerika. Ein zu Beginn in die Höhe schwebendes Tuch und die offene, seitlich von einem schwarz-weißen Streifenband begrenzte Bühne bereiten solche Assoziationen vor. Natürlich verlangt diese Konzeption einen andersartigen Bewegungsduktus als die Märcheninterpretation. Expressive Gestik, die den gesamten Körper als Ausdrucksinstrument nutzt, dient zur symbolischen Darstellung unterdrückter, zu revolutionärem Kampf bereiter Menschen.
Mit Mitteln des Ausdruckstanzes, von klassischen Elementen ergänzt, erzielen Hanff/Reinthaller eine faszinierend-spannungsgeladene Darstellung ihrer Idee, vom Ensemble mit Disziplin und Intensität getanzt. Im Zentrum bleibt der Feuervogel. Nach seinem Untergang ersteht er als Phönix neu, wirkungsvoller ausstrahlend noch als vorher. Gefahren solcher Werkinterpretation: Strawinskys plastisch-illustrative Musik erweckt andere Erwartungen von der tänzerischen Gestik; die »Bilder« ähneln einander, da die Gruppe ohne konkreten Gegner agieren muß. Doch die...
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