Report
TdZ+Die Wunden des „kulturellen Genozids“ sind noch offen
Ein Blick auf die kanadische Szene beim Heidelberger Stückemarkt
von Elisabeth Maier
Assoziationen: Nordamerika Dossier: Festivals Theater und Orchester Heidelberg
Erschienen am 17.5.2026

Tiefe Risse ziehen sich durch das Sehnsuchtsland Kanada. In Zeiten, in denen sich die USA zunehmend von Europa entfremden, rückt das nordamerikanische Land stärker in den Blick. Doch auch da bröckelt die Gesellschaft. Menschen der First Nations werden seit Jahrhunderten unterdrückt, queere Heranwachsende erleben Diskriminierung und im Netz machen sich Hass und Rassismus breit. Diese Spannungen offenbarte das Gastlandprogramm des Heidelberger Stückemarkts.
Wie sich die Wut einer Community entlädt, das hat die französisch-kanadische Sängerin Safia Nolin am eigenen Leib erfahren. Wegen ihres Körpergewichts wurde die queere Künstlerin aus Quebec schon in der Schulzeit verspottet. Jetzt, da sie als Songwriterin erfolgreich ist, entladen sich Neid und Vorurteile in den sozialen Medien. Ein endloser Shitstorm flutet das Netz.
Mit der musikalischen Performance „Surveillée et punie“ (deutsch: überwacht und bestraft) schockierte die Sängerin das Publikum. Teilnahmslos sitzt sie vor einem Chor maskierter Menschen. Ihre Gesichter zu zeigen, dazu sind diese Angreifer:innen anfangs zu feige. Dann lässt einer nach dem anderen die Masken fallen. Ruhig singen die Männer und Frauen die Hasskommentare, die auf Nolin tagtäglich in den sozialen Medien einprasseln. Die Sänger:innen stehen auf kunterbunten, gehäkelten Decken – der Schein dieser heilen Welt ist absurd. So treibt Bühnenbildnerin Odile Gamache die Ironie auch...
Erschienen am 17.5.2026


















