Tanzensemble der DDR: »Mario und der Zauberer«
Aus TdZ 8/1975
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Assoziationen: Siegfried Matthus Grita Krätke Roland Gawlik Tom Schilling
Das Tanzensemble der DDR überraschte in seinem neuen Estraden-programm »Frühlingsfeuer« mit einem bemerkenswerten Kurzballett (Aufführungsdauer etwa 20 Minuten) nach Thomas Manns Erzählung »Mario und der Zauberer«. In Grita Krätkes Choreographie zur Musik von Siegfried Matthus kam der Grundgedanke der Novelle, die Gefahr faschistischer Manipulation muß bekämpft werden, beklemmend zum Tragen. Allerdings stand in Roland Gawlik als Gast ein Cipolla zur Verfügung, der mit pantomimisch-tänzerischer Gewandtheit und gestischer Ausdrucksstärke seine Rolle außerordentlich differenziert zu gestalten vermochte. Und auch der Mario Walter Lohwassers besaß gestalterisches Profil, überzeugte in seiner knappen Entwicklung: wie er sich aus seiner Rolle als Medium des Zauberers löst und den perversen Menschenfeind überwindet. Als Marios Braut Silvestra bewies Marlies Mattutat ebenso wie zahlreiche weitere Mitglieder des Tanzensembles, daß neben tänzerischen auch darstellerische Potenzen vorhanden sind.
Stoff und Musik orientieren sich auf tänzerisch-dramatischen Ausdruck in mitunter szenisch-pantomimischer Gestaltung. Matthus wählte ein kleines Instrumentarium plus Geräusche. Die Musik wurde auf Tonband eingespielt und dabei »montiert«. Durch Überlagerungen von Aufnahmen und verfremdende Instrumentaleffekte erzielt Matthus eine außerordentlich »sprechende« Musikaussage, die an sein Kurzballett »Match« anknüpft (in der Choreographie Tom Schillings tanzten Krystyna Andrezejczak und Walter Lohwasser) und die musikalisch-szenische Ausdrucksvielfalt, die Geräuscheffekte einbeschlossen, noch erweitert. »Mario und der Zauberer« bietet ideale...
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