Im Zeichen des EnsemblesBallettabende in Döbeln, Nordhausen, Eisenach, Zwickau
Aus TdZ 10/1990
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
In einer Phase, da Kulturverantwortliche ihren Rotstift angespitzt zur Hand haben, über die Arbeit der kleinsten, mithin schwächsten Ballettensembles zu berichten, ist nicht ungefährlich – könnte doch eine negative Bilanz der Verzichtbarkeit ungewollt Vorschub leisten. Auch die Bewohner kleiner Städte haben ein Anrecht auf kulturelle Bereicherung. Solange die Zuschauer ihren Mehrspartenhäusern die Treue halten, und beim Tanz sieht die Auslastungsquote freundlich aus, kann das Plädoyer nur zugunsten jener Stadttheater lauten.
1. Stadttheater Döbeln
Was hat Aschenbrödel in Döbeln verloren? Nach der Premiere hätte ich Ballettmeister Edward Odrobny wenigstens partiell Abbitte leisten müssen: Was er mit seinem Mini-Kollektiv auf die winzige Bühne gezaubert hat, ist ansehnlich. Seit 1978 arbeitet der Pole in der DDR, Döbeln und Eisleben heißen seine Stationen. Im November 1989 kam er nach Döbeln zurück, begann das Ensemble neu zu formieren und zu vergrößern. Zwar stehen ihm nur drei Herren und sechs Damen zur Verfügung, aber gemeinsam mit Extraballett und Kindergruppe, beide ebenfalls ins Leben gerufen, läßt sich die Szene füllen. Daß der Ballettsaal beengt ist, versteht sich bei der Größe des Theaters; das Gebäude, vor drei Jahren rekonstruiert, wirkt gepflegt. Von den 320 Zuschauerplätzen waren die meisten besetzt. Nach »Scheherazade« und einem Mehrteiler als letzten Ballettproduktionen nun,...
















