„In der Politik wie im Theater kommt Wahrheit meist aus der Enthüllung einer Lüge. Im Unterschied zu W. H. Auden mag ich öffentliche Gesichter an öffentlichen Plätzen. Es mag in diesen Zeiten höchster Gefahr hilfreich sein, ein Auge auf sie zu haben, ehe der falsche Knopf gedrückt wird“, schrieb George Tabori 1984 in seinem Essay „Staats-Theater“. Darin unterzog er dessen Hauptdarsteller diesseits und jenseits des Atlantiks einer Kritik, die man gern über die heutigen Akteure auf der Bühne der Weltpolitik lesen würde. Sieben Jahre nach Taboris Tod spüren wir noch immer, wie sehr seine Stimme fehlt, nicht nur auf dem Theater.
Am 24. Mai 1914 in Budapest geboren, machten die Kriege des 20. Jahrhunderts aus dem jungen Ungarn mit jüdischen Wurzeln schon bald einen Kosmopoliten wider Willen. Nach einer Hotellehre im Berliner Adlon musste er 1933 Deutschland verlassen. Er emigrierte nach London, wo er als Journalist zu arbeiten begann, und lernte als Korrespondent und Kriegsberichterstatter den Nahen Osten und die Schattenwelt der Nachrichtendienste kennen. Nach Kriegsende kehrte er nach England zurück, arbeitete für die BBC und begann, Romane zu schreiben. Eine Literaturagentin empfahl ihn nach Hollywood, wo er ab 1947 mit Alfred Hitchcock und Joseph Losey für die MGM arbeitete....