Der Name „Psilicone Theatre” ruft nicht nur Assoziationen an das Material Silikon hervor, sondern auch an „Psychologie“. Gibt es eine Beziehung eurer Kunst zu (Sozial-)Psychologie oder Therapie? Wenn ja, wie würdet ihr sie beschreiben?
Aukse Petruliene: Der Name stellt eine Verbindung zwischen zwei Worten her: „Psi“ verweist auf das griechische Wort für Seele, und „Silicone“ bezeichnet das äußerst widerstandsfähige Material, aus dem wir unsere Figuren machen. Dabei transformieren wir Materialeigenschaften des Silikons in mentale Charakteristika – wir nutzen es als psychischen Konditionstrainer, als Dichtmittel für die Lücken in unserem Bewusstsein. Wir nutzen es, um gebrochene Herzen zu kitten, zu reparieren. Außerdem setzen wir unsere Figuren als Silikon-Implantate ein, um die aus Trauer, Schmerz und Kummer entstandenen Furchen im Gesicht unserer Gesellschaft zu behandeln.
Nichtsdestotrotz wäre es überambitioniert, von einem therapeutischen Ziel zu sprechen. Aber wir sind gut in Diagnostik. Wir glauben, dass es eine Aufgabe der Kunst ist, die Gesellschaft – welche einem schreienden Baby gleicht, das nicht sprechen kann – zu befragen, wo es wehtut, und genau den Punkt herauszufinden, der das Leid verursacht.
Gibt es noch einen anderen Subtext, der direkt im Material Silikon begründet ist?
Petruliene: Dafür ist es wichtig zu schauen, wie wir die...