Theater der Zeit

Faschismus in der Stadtplanung: Abriss des Circus Busch 1937 oder der Traum vom Neubau

von För Künkel und Mirjam Hildbrand

Erschienen in: Zirkuskunst in Berlin um 1900 – Einblicke in eine vergessene Praxis (02/2025)

Erste und fünfte Seite des Korrektur-Exemplars eines Gutachtens für Circus Busch von Rudolf Völz, Buch- und Steuer-Sachverständiger vom Landesfinanzamt Berlin vom 5. Juli 1935. Das finale Gutachten fiel im Ton nüchterner aus. Beispielsweise wurde bei „geschäftstüchtigen jüdischen Theaterdirektoren“ das Adjektiv „jüdisch“ weggelassen. Im damaligen gesellschaftlichen Diskurs bestand jedoch bereits ein Zusammenhang zwischen „Geschäftstheater“ und „jüdisch“, der negativ konnotiert war.
Erste und fünfte Seite des Korrektur-Exemplars eines Gutachtens für Circus Busch von Rudolf Völz, Buch- und Steuer-Sachverständiger vom Landesfinanzamt Berlin vom 5. Juli 1935. Das finale Gutachten fiel im Ton nüchterner aus. Beispielsweise wurde bei „geschäftstüchtigen jüdischen Theaterdirektoren“ das Adjektiv „jüdisch“ weggelassen. Im damaligen gesellschaftlichen Diskurs bestand jedoch bereits ein Zusammenhang zwischen „Geschäftstheater“ und „jüdisch“, der negativ konnotiert war.Foto: Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V., Nachlass Martin Schaaff (1910–2015) (Zirkus-Busch-Archiv), N7/02/168/3. Korrektur-Exemplar eines Gutachtens für Circus Busch von Rudolf Völz, 05.07.1935

Im Jahr 1915 war Paula Busch, Tochter des Gründerpaars Paul und Constanze Busch, der Leitung des Zirkus beigetreten, den sie nach dem Tod ihres Vaters 1927 allein weiterführte. Die Beendigung des Pachtvertrags für das Gelände gegenüber der Alten Nationalgalerie an der Spree war auf 1939 datiert, doch die NS-Behörden drängten bereits ab 1934 auf eine Auflösung des Vertrags sowie auf den Abriss der Spielstätte. Dies ließ sich auch durch Paula Buschs Bemühungen sowie ihren Beitritt zur NSDAP nicht verhindern. Der Vertrag wurde 1935 vorzeitig beendet. Noch vor den Olympischen Sommerspielen 1936 sollte das Gebäude abgerissen werden. Der Abbruch erfolgte jedoch erst im Juli 1937 kurz vor der 700-Jahr-Feier Berlins im August (vgl. Busch 1992 [1957], S. 9; Klünner o. D., S. 77). Für die Zeit der Olympischen Spiele im August 1936 war die Zirkusdirektorin noch zu kosmetischen Arbeiten am Bau verpflichtet worden.

Parallel zum Abriss ihres Zirkusgebäudes oder bereits davor, begann Paula Busch einen Neubau in Berlin zu planen. Sie konnte Albert Speer, bevorzugter Architekt und Vertrauter Adolf Hitlers, Berliner Generalbauinspektor sowie von 1942 bis 1945 Rüstungsminister des Deutschen Reichs, von ihrem Vorhaben überzeugen. Eine feste Zirkusspielstätte sollte in der Nähe des Lehrter Bahnhofs für Circus Busch errichtet werden. 1939 wurden die Architekten Roth und Lipp in Berlin mit der Anfertigung der Pläne beauftragt. Die Beseitigung des Busch-Gebäudes am Bahnhof Börse lässt sich also nicht auf eine generelle Abneigung des NS-Regimes gegenüber dem Zirkus zurückführen, sondern stand laut überlieferten Gesprächsprotokollen und Briefen im Zusammenhang mit Hitlers Vorstellungen von Architektur und Stadtplanung (Verbreiterung von Verkehrsadern, Neubauten usw.) (vgl. G. Winkler 1998, S. 64ff.). Das geplante neue Zirkusgebäude – im faschistischen Architekturstil – wurde jedoch nicht mehr verwirklicht.

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