Reise nach innenTanztheater im Staatsschauspiel Dresden/Kleines Haus: »Fluchtlinien«
Aus TdZ 12/1991
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Arila Siegert erforscht mit dem eigenen Körper – choreographische Formgebung, seelische Zustände und Gedankenketten ihrer Meisterinnen nachfühlend – Wesen, Art, Aussageabsichten wichtiger überlieferter Ausdruckstanz-Choreographien. Sie beschäftigte sich mit Marianne Vogelsang (»Fünf Präludien«), Dore Hoyer (»Afectos humanos«). Nun Mary Wigman.
Als sie »Abschied und Dank«, Wigmans Schwanengesang als Solotänzerin (1942), tanzte, war mehr als eine rekonstruierte Choreographie zu erleben: Schönheit von Bewegung und Körper, Friedfertigkeit der Seele. Klaviermusik von Aleida Montijn stützte diese ausgeglichene, verinnerlichte, gestisch stark konturierte Tanzszene adäquat. Dann der »Hexentanz« (1926), jenes skurrile Solo, das so gespenstisch introvertiert beginnt, über Krallenfinger-Gesten und Krabbelbewegungen sich zu extremen Posen steigert. Ein auch heute sehenswertes Zeugnis der Ausdruckstanz-Blütezeit. Hatte die Siegert die »Hellen Tänze« im ersten Soloabend (1985) ihrer Meisterin Palucca gewidmet, widerspiegeln die »Dunklen Tänze« dieses Abends Eigenheiten ihrer künstlerischen Entwicklung seitdem. Wie sich im Leben Ereignis an Ereignis reiht, drücken diese in Form verwandelten Erfahrungsepisoden zu Etüden von Alexander Skrjabin seelische Zustände, Empfindungen, Reflexionen aus.
Im roten, schulterfreien Kleid tanzt Siegert sich frei – löst sich von Bedrückungen, gibt sich frohen Empfindungen hin, in expressiv sich streckenden Armen, Armschwüngen, gespannten Schritten und Posen, elegantem Drehen, Gleiten, hüpfend, vibrierend, zappelnd. Am Schluß ein betörendes Lächeln. Es wirkt wonnetrunken und dabei...
















