Felix Stadler stellt die Errungenschaften der Queer Theory ab der 1990er Jahre in den Kontext eines Kulturwandels hin zur Digitalität und verweist auf die selbstbewusste Kritik an der Unwandelbarkeit von Geschlechtszuschreibungen775, die um die Jahrtausendwende an Konjunktur gewann: »Allerdings bestand das Ziel weniger darin, ein klares Gegenbild zu produzieren, sondern sich gegen starre Zuschreibungen zu wenden und das Wandelbare, Hybride und Einzigartige hervorzuheben.«776 Es ist eben dieses Erbe, das alle drei Künstlerinnen, Florentina Holzinger, Lucia Bihler und Susanne Kennedy antreten und durch ihre jeweils radikalen Formsprachen in neue Welten überführen. Das Wandelbare, Hybride und Einzigartige wird u. a. in den Stimmen Kennedys, den Textechos Bihlers und den Symbolanordnungen Holzingers nicht nur hervorgehoben, sondern auch formal weiterentwickelt. Die Stimmen in Kennedys Inszenierungen sind von Grund auf neu konstruiert, veränderbar und nicht an Körper und Objekte gebunden. Bihlers Verarbeitung von kanonischem Textmaterial kehrt vielfältige und transtemporal adaptierbare Konstellation hervor und baut diese aus. Die stereotypen Rollen und Objekte, die auf Holzingers Bühne zur Geltung kommen, offenbaren die historischen Kontexte ihrer Symbolhaftigkeit, verbinden sich zu neuen Netzwerken und überführen normative Muster in aktualisierte Perspektiven. Alle drei, Holzinger, Bihler und Kennedy, machen sie folglich die doppelte Kraft rhythmischer Formen – »depend[end]...