Essay
TdZ+Weil ein Raum gemeinsamen Verstehens fehlt
Zu Teresa Kovacs’ Begriff von einem Theater, das aus der Leere hervorgeht
von Ulrike Haß
Erschienen in: Theater der Zeit: Bühnenmütter und Mütternarrative (03/2026)
Assoziationen: Bertolt Brecht René Pollesch Teresa Kovacs Ruhrtriennale Theater der Leere

Kürzlich hat Teresa Kovacs ein vehementes Plädoyer für ein Theater vorgelegt, das aus der Leere hervorgeht. Sie zeigt, wie ein „Theater der Leere“ begrifflich aus einer Engführung von zeitgenössischen Diskursen der Naturwissenschaften und der menschengesellschaftlichen Kunst des Theaters hervorgeht. Was Teresa Kovacs vorschlägt und in ihrer Studie exemplarisch durchführt, erscheint einerseits fast überfällig, andererseits erlaubt es eine Auseinandersetzung mit dem Theaterfeld, die wir aufnehmen sollten und zu der ich mit diesem Essay anregen möchte. Ihr Vorschlag erlaubt, das Theater nachdrücklich aus der Metaphysik des Menschlichen zu lösen, und greift weit darüber hinaus. Allein die Formulierung vom Theater, das „aus der Leere“ hervorgeht, signalisiert, dass es sich hier bei der annoncierten Leere um eine Sphäre des Möglichen und nicht der Verzweiflung handelt, dass es hier um eine produktive Dimension geht und nicht um Negation. Die Leere wird bei Kovacs zu einer Kategorie, in deren Namen es um die Zukünftigkeit eines Theaters in all seiner Unruhe und in all seinen experimentellen Formen geht.
Damit geht ein Abschied von jenen Vorstellungen einher, mit denen man sich lange gegen das westliche Repräsentationstheater zur Wehr gesetzt hat, indem man auf dessen Überwindung zielte. Dieses Theater erschien an einen Innenraum wie an einen Kasten gebunden und...




















