Tanzlichter des Nordens. Ballett und Tanz in Mecklenburg-Vorpommern
Aus TdZ 3/1996
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Assoziationen: Mecklenburg-Vorpommern Tanz
Äußerlich ist das Nachwendebeben in Mecklenburg-Vorpommerns Ballettkompanien vergleichsweise schwach ausgefallen. Sieht man von der Fusion der Theater Greifswald und Stralsund ab, die auch die Sparte Tanz betraf, arbeiten die Ensembles an den drei großen Häusern unverdrossen weiter, unter verschiedenen Bedingungen, Konzepten und Perspektiven.
Landestheater Mecklenburg Neustrelitz
Neustrelitz, Mecklenburgs alte, von Seen umsäumte Residenzstadt, hat Skinhead-Probleme. Nachts, heißt es, solle man den Schloßpark, an dessen Ausläufern das Theater steht, meiden. Dabei lädt die Hügelanlage zu einem Spaziergang ein. Und auch das in Landestheater rückbenannte Friedrich-Wolf-Theater befindet sich in bestem Zustand. Hausherr seit 1994 ist Urs Leicht, der mit Jooss und van Manen arbeitete, Ballettdramaturg in Bremen war und von jenem »Schlüsselerlebnis« schwärmt, das ihm als Kind eine Vorstellung Harald Kreutzbergs bescherte. Noch aus Frankfurter Tagen kennt er Mila Tomsich, die er als Ballettdirektorin und Trainingsmeisterin ans Haus holte. Sie folgt auf den Bulgaren Itchko Lazaroff, den Intendant Straube beim Wechsel nach Rostock, nebst fünf Tänzern, mitnahm.
Zu den vier verbliebenen Tänzern engagierte Tomsich sechs neue. Aus zehn Nationen, von Australien bis zur Ukraine, stammt ihre zehnköpfige Mannschaft. Die Last der Verantwortung fühlt die junge Leiterin auf sich ruhen, möchte in ihrem ersten Engagement als Chefin nicht enttäuschen. Ausgebildet wurde...

















