Martin Wigger, was haben Sie vorgefunden, als Sie in die Helferei kamen?
Ich erinnere mich an einen Geruch, den ich als sehr fremd empfand. Es roch stickig, als wäre länger nicht gelüftet worden. Irritierend war der Tag meines Vorstellungsgesprächs. Lauter Klischees: Unten im Foyer standen Reste eines Dritte-Welt-Ladens, und auf dem Weg nach oben las ich im Treppenhaus eine Ankündigung eines Dia-Abends über eine gemeinsame Reise nach Jerusalem.
Alles beisammen, womit Sie Mühe haben …
Ja, das zeigte mir gleich mein Dilemma. Denn die Ausschreibung war ja ganz anders, man suchte eine Künstlerische Leitung, und ich kam mehr oder weniger direkt vom Ende meiner Co-Schauspielleitung mit Tomas Schweigen am Theater Basel. Kurz: Ich betrat dieses Haus mit seiner Geschichte, sah das alles und fragte mich sofort: Kann ich hier agieren und mich entfalten? Mein erster Satz im Vorstellungsgespräch war: „Ich weiss gar nicht, ob ich hier richtig bin.“ Ich meinte das inhaltlich, aber die Kommission dachte, ich frage nach dem Raum.
Warum waren Sie so ambivalent?
Ich war unsicher, fragte mich: Reizt mich dieses Haus, mit dieser Ausrichtung? Oder ist das ein bisschen zu viel Theologie? Ich bin ein aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts – werde ich da nicht doppelt...