Originaltitel in der Printausgabe: I. Szenografie, Performance Design und Theaterforschung
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„Mon Dieu, wo ist denn das Bühnenbild?“ – Irina Sulaver, Birgit Minichmayr, Martin Wuttke, Tino Hillebrand, Szene aus Carol Reed, Stück und Regie: René Pollesch, Bühne: Katrin Brack, Kostüme: Tabea Braun, Licht: Michael Hofer, Akademietheater Wien 2017Foto: Wolfgang Woessner
1. Die Kunst der Szenografie
Was wäre eine Aufführung ohne Bühnenbild oder gar ohne Szenografie? Nicht in der Theorie, sondern szenisch umkreiste René Pollesch, gemeinsam mit seinem Ensemble und vor gleichermaßen irritiertem wie vergnügtem Publikum, diese Frage 2017 in einem seiner Diskurstheaterstücke im Akademietheater des Wiener Burgtheaters. Der Abend, benannt nach dem britischen Filmregisseur Carol Reed, versprach als Thema zunächst anderes, begann dann aber mit dem Erscheinen von vier aufwendig kostümierten Schauspielerinnen und Schauspielern, die auf nackter Bühne und in großer Aufregung den Umstand diskutierten, dass – kurz vor der Aufführung – das Bühnenbild abhandengekommen sei. Es fehle ihnen wie einer Fußballmannschaft der Ball, schimpfte das gemischte Doppel, „Madame Brack“ (Katrin Brack, die Bühnenbildnerin der Produktion) habe es aus unbekannten Gründen mitgenommen. Ungeachtet dessen traten jedoch – im vermeintlich ‚leeren‘ Raum – den gesamten Abend über Dinge auf: Beleuchtungsbrücken kamen aus dem Schnürboden gefahren, bewegten sich auf und ab, Scheinwerfer rotierten, Podien senkten sich unversehens, Nebel waberte und mithin schienen die Dinge geradezu ein Eigenleben zu entwickeln. Auf diese Weise hielten sie die Handlung in Gang – ähnlich jenen plötzlich auftauchenden Objekten, für die, bezogen auf den Film, Hitchcock einst den Namen „MacGuffin“ prägte (der Begriff wurde im Verlauf des...