Armando Punzo, welcher Weg hat Sie zum Theater geführt?
Ich habe an der Universität von Neapel Für ein armes Theater von Jerzy Grotowski gelesen. Danach habe ich gesagt, ich werde Theaterregisseur. Die Studenten an den Universitäten waren damals stark politisiert, viele meiner Freunde waren politisch engagiert. Mich hat das nicht sonderlich interessiert, es gab viele Diskussionen, aber nichts passierte wirklich. Doch dann habe ich dieses Buch gelesen und wusste, dass ich Theater machen muss.
Was hat Sie an den Ideen von Grotowski so nachhaltig beeinflusst?
Grotowski, aber auch die gesamte künstlerische Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben die Leute geschockt, hier passierte etwas, was sich nicht mehr allein an bestimmten Inhalten festmachen ließ, hier fand etwas völlig Neues im Denken, in der Wahrnehmung statt. Heute dagegen erleben wir eine Zeit der Restauration, bei aller ausgefeilter Technik gibt es keine wirklichen Ideen.
Wie kamen Sie dann dazu, eine Theaterkompanie, die Compagnia della Fortezza, im Gefängnis von Volterra zu gründen?
Nach Volterra bin ich 1983 gegangen, um mit einer Gruppe, die sich um Grotowski gebildet hatte, Theater zu machen. Gegründet hatte sich diese Gruppe ursprünglich während eines paratheatralischen Experimentes mit Grotowski auf Haiti, wo er auf der Suche nach traditionellen Spielweisen...