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TdZ+Godot woher?
Luk Perceval überrascht mit „Warten auf Godot“ am Berliner Ensemble
von Thomas Irmer
Erschienen in: Theater der Zeit: Geste des Kollektiven – Sandra Hüller und Tom Schneider (06/2025)
Assoziationen: Berlin Theaterkritiken Luk Perceval Berliner Ensemble

Gibt es tatsächlich eine „Godot“-Welle? Gerade sind große Produktionen herausgekommen, die ausschließlich über die Regie identifiziert werden: Ulrich Rasche in Bochum, Claudia Bauer in München, nun Luk Perceval am Berliner Ensemble. Vor zwei Jahren gab es „Godots“ von Claus Peymann in Wien und von Fanny Brunner in Potsdam. Aber eine Welle ist das nicht. Eher ein wiedererwachtes Interesse an einem offenbar nie völlig auszulotenden Stück, und man müsste schon etwas ausholen, was gewissermaßen die Schwingungen unter der Stückrezeption angeht.
1996 erschien James Knowlsons große Biografie „Damned to Fame“ (2001 auf Deutsch), die mit vielem unbekannten Material – darunter das „German Diary“ von Becketts Deutschland-Reise 1936/37 – den biographical turn der Studien zu dem sein eigenes Werk beschweigenden Autor einleitete. Beckett gab bekanntlich bis auf eine Ausnahme keine Interviews. Die, die heute so bezeichnet werden, waren meist nachträgliche Aufzeichnungen von Gesprächen. Doch nun gab es ein Buch, in dem vieles biografisch erklärt wurde, und die Rätsel begannen sich zu lichten.
2008 erschien dann eine kleine Aufsatzsammlung des französischen Philosophen Pierre Temkine, in dem die Situation von Vladimir und Estragon als die von aus dem besetzten Frankreich nach Italien fliehenden Pariser Juden entschlüsselt wurde – was Beckett, der in der Résistance aktiv...


















