Fantasie-Liebe. »Münchhausen« in Weimar
Aus TdZ 3/1981
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Assoziationen: Deutsches Nationaltheater & Staatskapelle Weimar
Renommierte Autoren wie Rainer Kunad (Musik) und Rainer Kirsch (Libretto) waren daran gegangen, den Lügenbaron aus dem Volksbuch vom Münchhausen auf die Bühne zu locken. Als das Weimarer Nationaltheater den Choreographen Konstantin Russu (Staatstheater Dresden) und die Solisten Roland Gawlik/Ines Dalchau (Staatsoper Berlin) als Interpreten verpflichtete, bewies das Uraufführungsensemble, daß ein überquellend aufwendig aussehendes Werk mit relativ einfachen Mitteln erfolgreich zu bewältigen ist.
Der choreographischen und inszenatorischen Fantasie sind bei Kunad/Kirschs »Komödie für Ballett« nur durch Ökonomie und Technik Grenzen gesetzt. Russu ließ mehrfach Dekorationsteile durch menschliche Körper darstellen: Die Kirchturmspitze bildete er aus einer Pyramidengruppe, ein riesiges Bett aus einer Gruppe von Darstellern am Boden. Das ersparte aufwendige, zeitraubende technische Umbauten und hielt die Bühne frei für szenische und tänzerische Aktionen. Allerdings kamen letztere zu kurz. Auch wenn die Werkbezeichnung zuerst Komödie und dann Ballett angibt, sollten im »Münchhausen« Tanz-Szenen dominieren.
Aus Bürgers Anekdoten-Buch eine dramatische Bühnenhandlung zu entwickeln, war die eigentliche Schwierigkeit für die Autoren. Münchhausen strebt, Erfüllung suchend, in seinen phantastischen Erzählungen einem weiblichen Ideal nach, auf das er am Ende aber verzichten muß. Im Drang, die Welt aus seiner Sicht darzustellen, vergißt er das geliebte Mädchen, das, selbständiger werdend, einen anderen Partner findet....

















