Mit Leib und Seele Tänzer. Roland Gawlik im Gespräch
Aus TdZ 7/1994
von Roland Gawlik und Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Wie verlief dein Ausbildungsweg?
Er begann mit sechs. Mit neun ging ich zu meiner Mutter nach Frankfurt am Main. Weil Ballett dort als unmännlich galt, bin ich zum Sport übergewechselt, habe mir aber jeden Film mit Caterina Valente, Peter Kraus, Gene Kelly angesehen. Fred Astaire und Ginger Rodgers waren mein Ansporn. In dem Haus, in dem ich Turnen und Leichtathletik betrieb, unterrichtete auch Irene Mann. Sie war am Theater 1. Solistin und unterhielt ein Kinderballett. Weil meine Eltern etwas gegen diesen Tuntenberuf hatten, ging ich heimlich zu ihr, konnte mich nach Melodien und Rhythmus bewegen. Irgendwann haben meine Eltern das akzeptiert. Daraufhin besuchte ich die private Ballettschule Helken, zwischen 13 und 15. Um mir das Studiengeld zu verdienen, habe ich gekellnert, war Zigarettenboy und Statist am Theater. Dort lernte ich Michael Piel und Tatjana Gsovsky kennen, durfte bei ihnen mittrainieren, bis Sommer 1960. Als alles aus dem Osten in den Westen rannte, ging ich zurück in den Osten, Vortanzen bei Mola Hillebron, wurde Eleve in ihrem Ballettstudio am Staatstheater Dresden, im Mai 1961 empfahl man mir die DDR-Staatsbürgerschaft anzunehmen, was ich ohne Zögern tat. Dann kam jener 13. August, ich wurde endgültig DDR-Staatsbürger, ohne die Möglichkeit eines Zurück. Bis...

















