Theater der Zeit

Hofmann&Lindholm

Theater ohne Theater

von Kathrin Tiedemann

Erschienen in: Hofmann&Lindholm – Nachgestellte Szene (11/2020)

Assoziationen: Nordrhein-Westfalen Freie Szene Hofmann&Lindholm

Geschichte des Publikums, 2007, Hofmann&Lindholm
Mittwoch, der 9. August. Das Museum für Völkerkunde hat bis 17 Uhr geöffnet. Links von mir befinden sich die Damen-, rechts die Herrentoiletten. Ich halte mich im Vorraum zwischen den Waschräumen auf. Besuchern nicke ich höflich zu, wobei ich Blickkontakt meide, und wünsche ihnen einen guten Tag, sobald ihr Geld in meinem Schälchen landet. Erwartungsgemäß lassen sich Mitarbeiter des Hauses nicht blicken, da sich die Personaltoiletten in der zweiten Etage des Gebäudes befinden.Foto: David Prosenc, Geschichte des Publikums, 2007 © Hofmann&Lindholm

Nach Diderot besteht das „Paradox über den Schauspieler“ darin, dass Schauspieler:innen innerlich möglichst unbeteiligt die äußeren Anzeichen einer Emotion nachahmen sollen, um das Publikum zu bewegen. Hannah Hofmann und Sven Lindholm arbeiten nur selten mit Schauspieler:innen. Dennoch interessieren sie sich für Nachahmung. In Geschichte des Publikums (2007) werden die Zuschauer:innen Zeugen einer paradoxen Strategie der Privatisierung: Die Performer:innen berichten, wie sie Objekte aus der Öffentlichkeit entfernen, um sie nachzuahmen, und die Kopien anschließend in die Öffentlichkeit zurückschmuggeln, um diese so zu reprivatisieren. Einer leiht ein Buch aus der Bibliothek, kauft zusätzlich ein weiteres Exemplar desselben Buches, um daraus inklusive Geruchs eine Kopie des Originals zu fertigen, die er wieder zurückgibt. Eine Andere tauscht die Blumen auf einer Verkehrsinsel gegen selbstgekaufte aus, während ein Dritter den Kunstdruck im Arbeitsamt gegen ein identisches Exemplar aus Privatbesitz, das mit persönlichen Erinnerungen aufgeladen ist, austauscht. Es geht um subversive Strategien der Aneignung und Einschreibung mit den Mitteln künstlerischer Interventionen. Im Theater berichten die Darsteller:innen anschließend darüber. Der Bühnenraum wird dadurch zu einer Art performativem Archiv, in dem die textgewordene Dokumentation der eigentlichen Handlungen aufgeführt wird. Dies könnte der Beginn einer Geschichte des Publikums sein. Eine schöne Vorstellung – und etwas ganz anderes als die...

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