Recherchen 178
Theater in der Pandemie
Neuformatierung, Transformation, Legitimation
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Assoziationen: Dossier: Corona Angelika Endres Theater Basel
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1. Neue und neu kontextualisierte Formate: Was kann Theater alles (sein)?
Angelika Endres beleuchtet anhand von White Rabbit, Red Rabbit und #vorstellungsänderung, wie Theater während der Pandemie neue Formate entwickelte. Ihre Dissertation untersucht institutionelle Transformationsprozesse am Theater seit Covid-19 anhand eines siebenphasigen Pandemieverlaufs.
Theater blieben zwar zeitweise geschlossen oder stark eingeschränkt, zeigten aber dennoch eine enorm hohe Aktivität und brachten ebenso zahlreiche wie diverse Programmangebote hervor. Viele dieser Angebote, die durch bzw. seit der Pandemie am Theater entwickelt wurden, stellen bisherige Paradigmen infrage.
— Angelika Endres
von Angelika Endres
Theoretischer Teil
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2. Grundlegende Begriffe für eine Formatforschung aus theaterwissenschaftlicher Perspektive
2.1 Format und Formatierung
Angelika Endres entwickelt einen theaterwissenschaftlichen Formatbegriff auf Basis medien- und informatikwissenschaftlicher Vorarbeiten sowie Stempels Theorie. Sie unterscheidet drei Dimensionen von Theaterformaten: inhaltlich, institutionell und prozesshaft, als Untersuchungskategorie für Transformationsprozesse.
Formate bestimmen die ästhetischen Qualitäten von Medien ebenso entscheidend mit wie praktische, wirtschaftliche und juristische Aspekte ihrer Produktion, Distribution und Rezeption.
— Axel Volmar
von Angelika Endres
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3. Sozialwissenschaftliche Konzepte zum Theater als Organisation und Institution
3.1 Die Institution und ihre Funktionen für Gesellschaft und Individuum
Die Autorin untersucht Theater sozialwissenschaftlich und unterscheidet Institution und Organisation. Sie stützt sich auf Neoinstitutionalismus, Giddens’ Dualität von Struktur sowie North, um institutionellen Wandel anhand der Programmgestaltung öffentlicher Theater zu analysieren.
Institutionen beeinflussen demnach nicht nur das Handeln der Einzelnen, sie ermöglichen individuelles Handeln und Innovation. Strukturen sind also »immer zugleich Medium und Ergebnis sozialen Handelns«.
— Angelika Endres
von Angelika Endres
Empirischer Teil 1 – Deskriptive Analyse
Open AccessFotostrecke4. Programmgestaltung im Ausnahmezustand – eine Bestandsaufnahme
4.1 Die Angebotsanalyse – eine standardisierte Beobachtung zur Formatforschung
Angelika Endres stellt ihre empirische Angebotsanalyse vor: ein Kategoriensystem zur Erfassung von Programmformaten deutscher, Schweizer und englischer Theater seit März 2020. Erhoben werden Merkmale wie Beteiligungsgrad (rezeptiv, interaktiv, partizipativ), Ort, Präsentationsmodus und Zugänglichkeit.
Denn gerade anhand der randständigeren Programmangebote zeigt sich, wie Theater ihre Programme diversifizieren. Sie verdeutlichen darüber hinaus, inwiefern sich das Spektrum von medialen, künstlerischen bis hin zu sozialen, gesellschaftspolitischen und legitimatorischen Angeboten erweitert – und damit veranschaulichen sie, wie neu ausgelotet und definiert wird, was Theater alles sein kann.
— Angelika Endres
von Angelika Endres
Foto: Angelika Endres
Empirischer Teil 2 – Explorative Analyseebene
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5. Neuformatierung und Zielsetzungen im Kontext der Pandemie
5.1 Qualitative Befragungen zur Untersuchung von Narrativen
Angelika Endres erläutert methodisch ihre 33 Expert:innen-Interviews (Deutschland, Schweiz, England) mit Theaterschaffenden zur pandemiebedingten Programmneuformatierung. Sie beschreibt Leitfaden, Interviewsituation, Forschungstagebuch sowie die qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz zur Auswertung.
von Angelika Endres
Open Access6. Neuformatierung, Selbstverständnis und Transformation
6.1 Selbstverständnis der Theater im Kontext der Cultural Governance
Die Autorin untersucht anhand der Cultural-Governance-Perspektive, wie kulturpolitische Rahmenbedingungen das Selbstverständnis deutscher Theater prägen. Im Ländervergleich mit England und der Schweiz konturiert sie deutsche Grundprinzipien: Dezentralität, Subsidiarität, Pluralität und den fehlenden Status als Staatsziel Kultur.
Diese [Steuerungsmodelle] folgen nun keineswegs nur formalen Kriterien, sondern transportieren immer schon Inhalte, die die Theater organisatorisch und inhaltlich umsetzen sollen. Wenn dies der Fall ist, betreffen die Steuerungsmodelle immer auch die Werte und die Legitimationsbasis der Institution Theater.
— Gerald Siegmund
von Angelika Endres
Foto: Quelle: Deutscher Bühnenverein
Fazit
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7. (Neue) Legitimationsmythen – oder: Was kann/will/soll Theater alles sein?
7.1 Theater als Gemeinschaft und als Dritter Ort
Angelika Endres untersucht, wie Theater angesichts von Legitimationsdruck neue gesellschaftliche Selbstverständnisse entwickeln. Sie beschreibt drei umgeschriebene Legitimationsmythen, darunter Theater als Gemeinschaftsbildner, und verortet dies im Kontext von Applied Theatre, Partizipation und Dritten Orten nach Oldenburg.
von Angelika Endres
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8. Abschließende Gedanken zur Neuformatierung am Theater und in der Theaterwissenschaft
Angelika Endres zieht Bilanz ihrer Untersuchung zur Neuformatierung des Theaters seit Covid-19 und erweitert den Curatorial Turn um den von ihr geprägten Reformatting Turn, der Formatierungsprozesse als Indikator institutioneller Transformation und neuer Kommunikation zwischen Theater und Gesellschaft beschreibt.
Mit dem Begriff Reformatting Turn hebe ich die Diversifizierung der Formate sowie das Konzept der Formatierung hervor. Den Paradigmenwechsel, der durch kuratorische Denk- und Arbeitsweisen angestoßen wurde, erweitere ich damit um das Denken in Formaten: Da Formate der Kommunikation zwischen Theater und Publikum bzw. Öffentlichkeit dienen und somit Kommunikation ermöglichen, gestalten Formatierungsprozesse den Dialog und Austausch zwischen Theater und Gesellschaft.
— Angelika Endres
von Angelika Endres

