Schließlich ist es so weit. Vater und Sohn ziehen ihre Revolver und schießen aufeinander. Ein Ende, das sich von Anfang an abgezeichnet hat und doch nicht unvermeidbar war. Nicht das Schicksal hat den Bauunternehmer und selbsternannten „König des Betons“ Franck und Niko, seinen Erstgeborenen, zu Todfeinden gemacht. Sie sind den Mechanismen des Kapitalismus erlegen, die alles auf Konkurrenz und Kampf reduzieren und kein friedliches Nebeneinander gegensätzlicher Ideen und Überzeugungen dulden.
So sieht es zumindest der guineische Autor Hakim Bah, der die Textvorlage für Cédric Brossards im Rahmen des diesjährigen africologne Festivals uraufgeführte Theaterperformance „Traque – Treibjagd“ geschrieben hat. Es gibt zwar ein reales Vorbild für den großen, von Franck gegründeten Baukonzern und dessen geschäftliche Verbindungen zu afrikanischen Staaten. Aber Bah setzt gezielt auf Verfremdungen. Nahezu alle Szenen seines Stücks gleichen Duellen. Verhandlungen werden mit Worten geführt und nicht selten mit Schüssen aus Revolvern beendet. Das wahre Wesen des Kapitalismus spiegelt sich in den Konventionen des Western-Genres. Das erinnert an die Verfremdungstechniken eines Bertolt Brecht, dessen Lehrstück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ Zeitgeschichte als Mafia-Kolportage porträtiert hat.
„Traque“, eine gemeinsame Produktion von Brossards Compagnie Acétés und africologne, stand im Zentrum des diesjährigen Festivals. Aufgrund der Pandemie konnte Brossards an verschiedenen...