Theater der Zeit

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Celestina Widmer

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  • Nina Mühlemann, Yvonne Schmidt und Thubten Shontshang begrüßen zum Symposium, neben ihnen verdolmetscht Sascha Thiemeyer in deutschschweizer Gebärdensprache und das technische Team schaltet die Zoom-Übertragung. Foto: Tina Schück
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    Einleitung

    Die Suche nach verantwortungsvollen und nachhaltigen Formen der Zirkulation von Theater- und Tanzproduktionen stellt eine der drängendsten Herausforderungen der gegenwärtigen Praxis dar. Angesichts der Klimakrise geraten die etablierten Logiken von Produktion, Tournee und internationaler Sichtbarkeit zunehmend unter Druck. Die Frage, wie künstlerische Arbeiten reisen können – oder eben nicht –, wird nicht nur ökologisch, sondern auch sozial, institutionell und ästhetisch verhandelt.

    von Thubten Shontshang, Nina Mühlemann, Celestina Widmer und Yvonne Schmidt

    Foto: Tina Schück

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    auawirleben Theaterfestival Bern: Interview mit Nicolette Kretz

    Nicolette Kretz leitet seit 2015 das auawirleben Theaterfestival Bern. Im Interview beschreibt sie, wie das Festival während der Pandemie 2020 mit einem Brief-Festival (aua comes your way) reagierte und 2021 mit der aua in a box ein Parallel-Format zum Live-Festival anbot. Sie betont die enge, transparente Zusammenarbeit mit Künstler*innen in dieser Zeit. Seit 2022 setzt das Festival wieder ausschließlich auf Live-Vorstellungen, da Kretz das gemeinschaftliche Erleben vor Ort als zentral für Theater ansieht, auch wenn sie über neue Begriffe für verschiedene Kunstformen nachdenkt.

    Was ich extrem schön fand, vor allem beim Brief-Festival, war die Rückmeldung, irgendwie ein Gefühl von Community gekriegt zu haben, obwohl sie alleine zu Hause saßen.

    Nicolette Kretz

    von Celestina Widmer, Yvonne Schmidt und Nicolette Kretz

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    Zugänglichkeit: Ein Interview mit Anna Mülter

    Anna Mülter, seit 2021 Leiterin des Festivals Theaterformen, spricht im Interview mit Yvonne Schmidt und Celestina Widmer über Zugänglichkeit im Theater. Sie schildert, wie die Sophiensæle während der Pandemie Künstler*innen bewusst wenig Druck zum Streamen machten. Mülter reflektiert, wie sich kuratorische Praxis durch vermehrte Videoauswahl verändert hat, betont die Bedeutung von Reisen für Nachwuchskünstler*innen außerhalb Europas, vernetzt behinderte Künstler*innen international und fordert mehr sichtbare Teilhabe behinderter Künstler*innen im regulären Festivalprogramm statt nur in Disability-Arts-Nischen.

    Ich mache jetzt meine Proben komplett online, nicht wegen der äußeren Gründe der Pandemie, sondern weil ich es brauche. Weil mein Körper, mein chronisch kranker, behinderter Körper das anders gar nicht leisten kann und das Arbeiten auf diese Weise einfach viel barrierefreier für mich ist.

    Angela Alves

    von Anna Mülter, Celestina Widmer und Thubten Shontshang

    Foto: Isabel Machado Rios

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  • Auf dem Foto sieht man eine Menschenansammlung an der großen schweizweiten Behinderten-Demonstration in Bern am 20. Juni 1981. Ein Mann im Hintergrund hält ein Transparent auf dem Schoß. Im Vordergrund des Fotos ist Ursula Eggli. Sie benutzt einen Rollstuhl und hat ein feministisches Symbol auf die Wange gemalt. Neben ihr sitzt die Behindertenaktivistin und Künstlerin Cornelia Nater. Das Foto wurde von der Fotografin und Aktivistin Helga Leibundgut gemacht. Sie war eine Bekannte von Ursula Eggli und Mitglied der Frauenbefreiungsbewegung FBB. (Schweizerisches Sozialarchiv, F 5110-Fc-102)
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    Historische Perspektiven auf politisch-künstlerische Praktiken der Disability Culture entlang Ursula Egglis Arbeiten

    Celestina Widmer zeichnet anhand der Schweizer Schriftstellerin und Behindertenaktivistin Ursula Eggli (1944–2008) die historische Verwobenheit von künstlerischer Praxis und Aktivismus in der Disability Culture nach. Eggli setzte sich seit den 1970er Jahren für Rechte behinderter und queerer Menschen ein, gründete Vereine und schrieb Bücher, die Ausgrenzung und Gewalt thematisierten, zugleich aber utopische Gegenentwürfe wie das „Freakland“ entwarfen. Widmer verortet Egglis Werk im Kontext transnationaler Bewegungen und plädiert dafür, diese Geschichte des Kampfes nicht zu vergessen.

    Geschichten können doch nie zu Ende sein. Geschichten gehen unendlich weiter, wachsen und wuchern, treiben Blüten und Früchte oder auch Dornen und sie haben ihre Wurzeln in der unermesslichen Fülle der Zeit. Vielleicht dorren sie mal stückweise ab, aber bestimmt entstehen sie neu aus einem unbeachteten Samenkorn und bekommen dann ein wundersames Eigenleben.

    Ursula Eggli

    von Celestina Widmer

    Foto: Helga Leibundgut, Schweizerisches Sozialarchiv, F 5110 Fc 102

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    Kuratieren als kritische Praxis

    Yvonne Schmidt und Celestina Widmer untersuchen Kuratieren als kritische Praxis anhand von Theaterfestivals während der Covid-19-Pandemie. Ausgehend von der Institutionskritik zeigen sie, wie Kurator*innen durch den pandemiebedingten Stillstand gezwungen waren, Machtstrukturen, Entscheidungsprozesse und Arbeitsbedingungen zu hinterfragen. Anhand von sieben Schweizer und drei internationalen Festivals/Theaterhäusern, basierend auf qualitativen Interviews, analysieren die Autorinnen neue kuratorische Strategien wie geteilte Entscheidungsmacht, Residenzformate und sorgsamere Zusammenarbeit als Versuche institutioneller Transformation.

    Kulturinstitutionen wirken einerseits als gegenhegemoniale Instanzen, die künstlerische, politische, soziale und wirtschaftliche Ordnungen und Vorstellungen hinterfragen und umdenken. Andererseits funktionieren sie selbst nicht losgelöst von diesen Logiken.

    Yvonne Schmidt, Celestina Widmer

    von Yvonne Schmidt und Celestina Widmer

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Assoziationen

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