Theater der Zeit

Theater der Zeit 9/2020

Zwillingsbruder eines Bürgerkriegs

Wajdi Mouawad und der Libanon

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Editorial

Als am 4. August im Hafen von Beirut 2750 Tonnen Ammoniumnitrat explodierten, explodierte mit diesem illegal gelagerten Material die Zukunft eines ganzen Landes. „Alles ist zerstört“, schrieb der libanesisch-kanadische Schriftsteller und Dramatiker Wajdi Mouawad in Le Monde. Nicht nur der Beton. Eine Monstrosität, für die es lange schwer sein werde, Worte zu finden. Und doch müssen sie gefunden werden. Worte, um dem Schmerz, dem sonst die Sprache fehlt, einen Ausdruck zu ver­leihen. Wajdi Mouawad ist, wie es Lena Schneider in ihrem Porträt in dieser Ausgabe beschreibt, in dieser Beziehung ein Ausnahmeautor. Seine gewaltigen, verstörenden, berührenden, weltumspannenden Theatertexte kommen immer wieder auf den Libanon zurück, das Land seiner Kindheit, das er 1978 zu Beginn des Bürgerkriegs verließ. Was blieb, war ein …

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